Vor geraumer Zeit berichtete ich im Rahmen dieses Blogs über die Zeitgeist-Bewegung. In Jon Schaffer, Mastermind hinter Bands wie Iced Earth und Demons & Wizards, hat diese Bewegung nun einen weiteren prominenten Mitstreiter gefunden.
Um die Welt auf die von der Bewegung vermutete weltweite Verschwörung der Banken und des Großkapitals aufmerksam zu machen, hat Jon sogar extra ein neues Projekt mit dem Namen “Sons Of Liberty” ins Leben gerufen. Der Name “Sons Of Liberty” geht auf eine Gruppe politischer Aktivisten zurück, die für die Unabhängigkeit Amerikas vom Britischen Empire eintraten. Hier geht es zum deutschen Wikipedia-Artikel, probiert aber auch den englischen Eintrag, der ist um einiges informativer.
Ich habe gerade erst begonnen mich in das umfassende Informationsmaterial einzuarbeiten, das Jon auf der Sons Of Liberty Homepage ins Netz gestellt hat. Wer ebenfalls interesse hat, sich mit dem Thema und Jon’s Ansichten auseinanderzusetzen, dem kann ich Jon’s Videoblogbeiträge empfehlen. Im Beitrag “Sons Of Liberty - Jon Schaffer speaks Part 1″ nimmt er sogar konkret Bezug auf die Zeitgeist Bewegung.
Insgesamt bin ich ziemlich über den Geisteswandel von Jon verblüfft, der in der Vergangenheit doch eher mit der Republikanischen Partei in Verbindung gebracht wurde. In folgendem Interview von “Sleaze Roxx” distanziert sich Jon allerdings deutlich von der Partei, die er zusammen mit den Demokraten als die beiden Flügel desselben “hässlichen und kollektivistischen Vogels” bezeichnet.
Man darf gespannt sein, wie es weitergeht. Sobald ich mich gründlicher über Jon’s Quellen und Hintergründe informiert habe melde ich mich wieder.
ByH
Gunnar
Gunnar am 25. Juli 2010 in Bands*
Die Idee für getMetal und damit auch für dieses Blog existiert schon eine ganze Weile. Wie lange der Weg von Inspiration bis hin zur Transpiration allerdings manchmal ausfällt, kann man daran ermessen, dass ich mir für meinen ersten Post eigentlich einen Beitrag über den Ausstieg von Matt Barlow bei Iced Earth vorgestellt hatte und nicht über seinen Wiedereinstieg. Naja, für mich als bekennden Barlow-Fan natürlich ein deutlich positiverer Start in die Blogosphäre, als anders herum.
Viel ist seitdem darüber gestritten worden, wer denn nun der bessere Sänger oder zumindest der bessere Sänger für Iced Earth sei: Tim “Ripper” Owens oder Matthew Barlow. Viele eingefleischte Fans des Ripper zeigten sich zudem sehr entäuscht über die Art und Weise, wie sich die Trennung ihres Idols von Iced Earth vollzogen hat und werfen insbesondere Jon Schaffer vor, Matt nur aus Profitdenken zurückgeholt zu haben.
Fakt ist, dass Matt Iced Earth viele Jahre lang begleitet und mit seiner einzigartigen Stimme in hohem Maße dazu beigetragen hat, dass die Band ganz vorne in der Weltspitze mitmischt. Von daher war es sicherlich eine mutige aber vollkommen richtige Entscheidung von Jon Schaffer Matt nach seinem Weggang durch einen anderen Typ Sänger von ähnlichen Qualitäten, aber mit einem ganz anderem Stil zu ersetzen und keinen möchte-gern Barlow-Klon ans Mikrofon zu befördern. Nichtsdestotrotz ist es verständlich, dass viele Fans, die Iced Earth eben nicht nur wegen Jons Gitarrenriffs sondern eben auch wegen Matts Stimme liebten, empfindlich und emotional auf diesen Wechsel reagierten. Auch ich muss zugeben, dass ich dem Ripper damals gar keine echte Chance geben wollte.
Nun in der Gewissheit, dass Matt wieder da ist, gebe ich ganz offen zu, dass sich die Alben mit dem Ripper plötzlich viel besser anhören, als ich es zunächst wahr haben wollte. Richtig ist aber auch, dass Iced Earth durch den Ripper zwischenzeitlich einiges von dem eingebüßt hatten, was die Band bis dato ausmachte. Ich habe dies auf Wacken beim 07er Gig der Band selbst erlebt. Das Set enthielt kein einziges der ruhigeren oder der midtempo Stücke von Iced Earth wie etwa Melancholy, Watching Over Me oder auch Dracula, die gerade durch Matts warme, gefühlvolle Stimme so besonders wurden.
Für mich und viele andere Fans, die die Band schon einige Jahre begleiten, ist Matt daher einfach nicht weg zu denken. Viel altes Iced Earth-Material ist einfach zu eng mit seiner Interpretation der Stücke verbunden. Jon Schaffer handelte daher sowohl im Sinne der Band, als auch im Sinne der meisten Fans, als er die historische Gelegenheit nutzte, Matt Barlow zurückzuholen. Iced Earth und Matt Barlow, das fühlt sich einfach richtig an. Sicherlich ist es Jon dabei aber nicht so leicht gefallen, sich vom Ripper zu trennen, wie viele jetzt im Nachhinein behaupten.
In Jons viel zitiertem Beitrag zu Matts Rückehr und insbesondere auch in seinem darauf folgenden Statement macht Jon Schaffer klar, dass er Tim sowohl persönlich, als auch auf professioneller Ebene sehr schätzt. Es geht hier also beileibe nicht um eine Demontage des Rippers, sondern einfach um einen personellen Wechsel, der zwar auf gewisse Art unglücklich, aber andererseits einfach auch nicht zu vermeiden war. Viele Kommentare von Iced Earth Fans machen ebenfalls deutlich, dass man Tim in guter Erinnerung behalten und seine weitere Karriere positiv begleiten wird.
Es zeugt vom Charakter und den Fähigkeiten des Ripper, dass er mutig in die Fußstapfen von Leuten wie Rob Halford bei Judas Priest oder eben auch Matthew Barlow bei Iced Earth getreten ist und ihre Plätze mit seiner Leistung füllen konnte. Trotzdem kann man Sänger mit solcher Tradition und so hoher Reputation bei den langjährigen Fans einfach nicht vollkommen ersetzen. Ich wünsche dem Ripper daher von Herzen, dass er die Chance nutzt und mit einer eigenen Band nun so richtig durchstartet, das Zeug dazu hat er allemal.
Zum Schluss noch ein paar Worte zu dem Vorwurf, Jon ginge es bei der Reunion mit Matt nur ums schnöde Geld. Ich denke, dieser Vorwurf ist zu kurz gegriffen. Klar, wenn Platten- und Ticketverkäufe rückläufig sind und viele Fans sich negativ über den Wechsel am Mikrofon äußern, dann hat das auch Einfluss auf die Einnahmen. Doch geht es bei der Arbeit, viele von euch werden das bestätigen können, in erster Linie nicht immer nur ums Geld. Vielmehr spielen Faktoren wie Erfolg, Akzeptanz und soziale Bindungen eine ganz entscheidende Rolle - bei Künstlern sicherlich noch mehr, als in “normalen” Berufen. Keiner Band macht es Spaß, weniger Erfolg zu haben und weniger Akzeptanz durch die Fans zu erfahren. Allein deshalb hätte es sich für Jon sicherlich gelohnt, Matt wieder ins Boot zu locken.
Allerdings habe ich Jon Schaffer immer als jemand begriffen, der im positiven Sinne besessen ist und seine Vision auch gegen Widerstände durchsetzt. Darüber hinaus ist er aber auch jemand, der emotional sehr eng bei seinen Fans ist und ein Gespür für die Gefühle der Leute hat, die den Mythos Iced Earth erst lebendig machen. Ich vermute daher ganz stark, dass die Entscheidung für Matt einfach eine Herzensangelegenheit für Jon war. Jons und Matts gemeinsame Vision für die Band, ihre intensive gemeinsame Historie und die Wahrnehmung der Fans, dass Iced Earth eben primär aus Jon Schaffer und Matthew Barlow bestehen, ließen einfach gar keinen anderen Schluss zu, als dieses Heavy End.
In diesem Sinne auch von uns ein herzliches: “Welcome back, Matt!!!”
Ein Beitrag von Gunnar
Gunnar am 12. März 2008 in Bands*