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2010 Beginn einer neuen Metal-Ära?

Alice Cooper als Werbemaskottchen. WDR2-Moderatoren, die sich als AC/DC und Nirvana Fans outen und nach “Smoke on the Water” auch schon mal mit “Liebe Headbanger, es ist 8:22 Uhr” grüßen. Eine ZDF Doku zum Thema Metal. Eine Kabel1 Metalnacht mit Number One “Metallica” und Metal: A Headbanger’s Journey. Wo man auch hinguckt, die Zeichen verdichten sich: Rock und Metal sind schwer im kommen!

Der eigentliche Grund wurde mir allerdings erst vor einigen Wochen auf einer Geburtstagsfeier bei Freunden klar. Bei dieser Gelegenheit schenkten wir dem kürzlich geborenen Nachwuchs unserer Freunde ein AC/DC Baby-Tshirt. Den meisten Spaß daran hatten allerdings die Großeltern des Kleinen, sowohl väter- wie auch mütterlicherseits!

Obwohl beide Großelternpaare sicherlich eher zur gesellschaftlichen Mitte tendieren, kamen bei dieser Gelegenheit plötzlich Konzertanekdoten aus dem Hardrocklager zu Tage. Gefolgt von einer angeregten Diskussion über neue Trends, zu hohe Ticketpreise und die aktuelle AC/DC Tournee.

Bei dieser Gelegenheit wurde mir klar, dass es mittlerweile (fast) keine Generation mehr gibt, die in ihrer Jugend nicht mit Rock, Hardrock und elektrischen Gitarren konfrontiert wurde. Nur noch die Allerältesten stammen aus Zeiten, als es noch keine solche “Teufelsmusik” gab.

Somit befinden sich aber mittlerweile an allen Schaltstellen unserer Gesellschaft Personen, die Metal zwar nicht unbedingt mögen müssen, aber doch ausreichend mit dieser Musikrichtung vertraut sind, um sie nicht völlig zu verdammen.

Für uns heißt das, dass Metal sehr wahrscheinlich zukünftig stärker in unsere Gesellschaft integriert werden wird. Nicht zuletzt aufgrund der großen Menge an generationsübergreifenden (!) Fans.

Ob man dies als gut oder schlecht bewerten will bleibt jedem selbst überlassen. Schließlich pflegen wir unseren Außerseitenstatus seit Anbeginn der harten Musik. Allerdings gibt es dafür mittlerweile aber auch genug extreme Spielarten des Metal, die auch für die nächsten Jahrzehnte nicht radiotauglich bleiben werden. ;-)

In diesem Sinne einen guten Start ins Neue (Metal-)Jahr!

ByH!

Gunnar

Gunnar am 3. Januar 2010 in Allgemein, Das Leben, das Universum, ..., Lange Spinnereien
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Metal & Fantasy

Er spielt es, ich spiele es, 10 Millionen spielen es: World of Warcraft. Meine Erfahrung bestätigt, was zu erwarten war: Viele von ihnen sind Metal-Fans (oder sogar Musiker, wie wir gerade gesehen haben). Online-Rollenspiele sind jedoch nur die neuste Spielart, bei der sich Metal und Fantasy begegnen. Schon die guten alten “Pen & Paper”-Rollenspiele waren und sind eine Domäne der langhaarigen Leute mit den schwarzen Klamotten. Einschlägige Spiele wie Vampire oder Shadowrun, zielen stark in Richtung Metal und gerade mein persönlicher Favorit “Ruf des Warlock” geizt bereits im Regelwerk nicht mit augenzwinkernden Querverweisen zum Metal - ich sage nur Krieger-Barde Joey DeMaio!

Die Rollenspiele, die hier ein wenig als Aufhänger dienen sollen, sind aber letztlich nur ein Nebenkriegsschauplatz. Die stärkste Verbindung zwischen Metal und Fantasy bildet natürlich immernoch die Musik selbst und das schon seit den Ursprüngen dieser Musikrichtung.

Bereits die großen Alten wie Black Sabbath, DIO, Blue Öyster Cult oder sogar Kiss befassten sich mit dem Okulten und Mystischen, wie z.B. dem selbsternannten Schwarzmagier Aleister Crowley. Einige Blue Öyster Cult Songs wurden sogar von einem Fantasy-Autor geschrieben, andere dienten als Soundtrack zum ersten der Heavy Metal-Filme, der wiederum selbst eine Fantasy-Geschichte erzählt.

Doch gerade mit der zweiten und dritten Generation erlebte der Fantasy-Metal einen richtigen Boom. Bands wie Iron Maiden, Blind Guardian, Rhapsody of Fire, Manowar, Hammerfall, Axel Rudi Pell oder Dragonforce setzen bei ihren Songs zu großen Teilen auf Fantasy-Themen. Ihre Texte behandeln Klassiker der Fantasy-Literatur wie den Herrn der Ringe, Dracula und Frankenstein oder beziehen sich auf nordische Göttersagen und mittelalterliches Rittertum. Womit sich zusätzlich der Kreis zu Mittelalter-Metal-Bands wie In Extremo schließt, die den perfekten Sound zu jedem Live-Rollenspiel liefern.

Doch worauf beruht diese Harmonie zwischen Metal und Fantasy? Wieso sind diese beiden Bereiche mittlerweile fast schon untrennbar miteinander verschmolzen? Um diese Fragen zu beantworten, muss man zunächst verstehen, warum Metal und Fantasy ein und dieselbe Zielgruppe bedienen.

Es geht dabei weniger um die den Metal- und Fantasy-Fans innewohnende Vorliebe für blutige Schlachten, magische Schwerter, tanzende Elfen oder mürrische Zwerge. Auch nicht darum, dass der Metal mit seinem Facettenreichtum von knallhart bis empfindlich zart wie geschaffen dafür ist, die in der Fantasy-Literatur heraufbeschworenen Bilder und Emotionen in Töne zu gießen.

Nein! Letztlich geht es darum, dass sich Fantasy-Literatur und Metal-Musik an Menschen richten, die mit der Realität auf dieser Welt, wie sie sich heute darstellt, nicht viel anfangen können und damit häufig in die Rolle der Außenseiter gedrängt werden. Betrachtet man die Spielarten des Metal und der Fantasy genauer, erkennt man, dass sie sich wie Mosaiksteine zu einem Gesamtbild zusammenfügen.

In meinem Beitrag über Heavy Metal-Konzeptalben habe ich vorab schon beleuchtet, dass der Metal (insbesondere der Thrash Metal) häufig eine politische Dimension hat. So weisen Bands wie Metallica, Megadeth oder Slayer auf ihren Alben wiederholt auf den Verfall der Werte und das Versagen der Politik hin und fordern auf, die Welt zum Besseren zu verändern. Dass sie dies aber nicht alleine zu tun vermögen, müssen aktuell jedoch selbst gestandene Metal-Helden wie etwa Jon Oliva oder John K. eingestehen (Rock Hard Hefte 251, 252).

Auch der Black Metal stößt mit seinen Angriffen auf eine moralisch verkommenene, inhaltsleere und machtgeile Kirche in dieselbe Kerbe. Schließlich hat das Christentum in seiner Geschichte mindestens ebensoviel Leid geschaffen, wie es gelindert hat und ist aktiv an der bestehenden, unbefriedigenden Weltordnung beteiligt.

Black Metal hat in meinen Augen daher häufig nicht mit echtem Glauben an den Satan zu tun, sondern eher mit einer diametralen Abkehr von einer Kirche, die schon lange keine Quelle des Lichts mehr ist. Um gegen die Kirche in ihrem jetzigen Zustand und damit auch gegen unsere Gesellschaft zu rebellieren, verehren Black-Metaler das Gegenteil dessen, was Kirche und Staat propagieren. Damit leisten sie ihren eigenen, eigenwilligen aber letztlich auch wichtigen Beitrag zum allgemeinen Protest.

Die Fantasy-Literatur befasst sich mal abstrakt, mal konkret mit denselben Problemen. Als Beispiel seien hier nur die genialen Romane “Kriegsklingen” und “Feuerklingen” von Joe Abercrombie genannt. In ihnen zeigt der Autor auf faszinierende und überaus unterhaltsame Art und Weise, wie schnell die Machtapparate Staat, Wirtschaft und Kirche die Interessen ihrer Mitglieder aus den Augen verlieren und sich nur noch um sich selbst und den Erhalt ihrer Macht drehen.

In der Fantasy geschieht dabei häufig das Wunder, das in der Realität bisher leider ausbleibt. Hier sind die Helden in der Lage, gegen eine Überzahl von Gegnern zu bestehen und das Übel, das ihre Welt bedroht, abzuwenden. Dies gelingt ihnen, indem sie sich auf die unserer Welt nahezu abhanden gekommenen Werte wie Treue, Vertrauen, Ehrlichkeit und Mut besinnen und daraus Stärke und Zusammenhalt schöpfen. Neben der Magie und den fremden Wesen, ist es daher insbesondere dieser Umstand, dem die Fantasy meiner Ansicht nach ihren Namen verdankt. Denn der Sieg einer kleinen Allianz des Guten gegen ein weltvernichtendes Übel, gleich welcher Art, ist eben einfach nicht realistisch.

Sowohl der Metal als auch die Fantasy wollen uns und unserer Welt also den Spiegel vorhalten und zu Verständnis und Engagement aufrufen. Der eine benennt dabei den konkreten Mangel, die andere hingegen nutzt Positivbeispiele, um das Ideal zu verdeutlichen. Metal und Fantasy sind daher letztlich nichts anderes als die zwei Seiten der sprichwörtlichen Medaille.

Die von Metalern und Fantasy-Liebhabern geteilte Unzufriedenheit mit unserer traurigen Realität, mündet final in der geradezu paradoxen Situation, die wohl jedem, der das hier liest, nur allzu vertraut sein dürfte. In ihrem Willen für das wirklich Wichtige und Richtige einzutreten, stellen sich Metaler und Fantasy-Freunde gegen die pervertierten Normen unserer scheinheiligen Gesellschaft und werden dafür nicht nur mit völlig ungerechtfertigter Kritik gestraft, sondern auch gleich an den Rand der Gesellschaft verbannt. Wer beispielsweise seine persönliche Freiheit und seinen berechtigten Nonkonformismus durch ein Tattoo veranschaulicht, der stellt schnell fest, dass die Karriereleiter plötzlich keine Sprossen mehr zu haben scheint.

Doch Außenseiter dieser Welt: Lasst euch nicht entmutigen! Die Botschaften aus diesem langen Diskurs liegen klar auf der Hand: Hört (auf) den Metal, denn er nennt euch die Probleme! Nutzt (eure) Fantasy, denn sie zeigt den Weg zur Besserung!

Gunnar am 1. Mai 2008 in Lange Spinnereien
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